Review - Übers Stillen und über Bio-Stilleinlagen von Natracare

11:08:00

Wo ist nur die Zeit nur geblieben? Gestern noch ein kleines Baby und heute schon so groß geworden ... Mittlerweile stille ich ein Kleinkind. Wenn es nach ihm geht, könnte dieser Zustand noch ewig so weitergehen. Die World Health Organisation (WHO) empfiehlt, nicht nur Babys bis zum sechsten Lebensmonat voll zu stillen, sondern auch bis zum zweiten Lebensjahr und darüber hinaus weiterzustillen. Natürlich nur so lange wie Mama und Kind das möchten. Ganz ehrlich, es gibt in meinen Augen keine bequemere Möglichkeit ein Baby schnell zu beruhigen oder zum Schlafen zu bekommen. Die oft gehörte Warnung "Die gewöhnen sich daran" überhöre ich geflissentlich und denke mir meinen Teil ;-) Viel zu oft wird ganz vergessen, dass Stillen nicht nur der Nahrungsaufnahme dient, sondern auch Trost, Nähe und Kuscheln bedeutet. 


Obwohl die komplexe Muttermilch (Quellen über die Zusammensetzung hier und hier) keineswegs mit industriell hergestellter Säuglingsnahrung, Kuhmilch, Haferdrinks etc. vergleichbar ist und darüber hinaus nur Vorteile für Mutter und Kind hat, wird Stillen in der Öffentlichkeit immer wieder kontrovers diskutiert. Das stimmt mich nachdenklich, traurig und auch sehr sehr wütend. Umso erfreulicher ist es, wenn Prominente wie Musikerin Gwen Stefani, Schauspielern Alyssa Milano und Supermodels wie Gisele Bündchen und Doutzen Kroes keine  Scheu haben und sich stillend mit ihrem Baby bzw. Kleinkind zeigen. Bei den Bildern wurde ich ein bisschen neidisch, denn Stylisten wie bei Gisele Bündchen hätte ich auch gerne zu Hause ;-) 
Meine Güte, nicht nur im Internet, sondern auch auf Magazinen, Klatschzeitschriften etc. springen mir (halb)nackte Brüste entgegen. Und als Mutter muss man sich rechtfertigen, wenn man ein hungriges und kuschelbedürfiges Lebewesen mit einem Grundbedürfnis nach Nahrung und Nähe  füttert? 

Bisher hatte ich nur ein negatives Erlebnis, als ich meinen Großen (damals keine 12 Monate alt) diskret in einer Ausstellung über Ernährung und Lebensmittel (was für ein Ironie!) stillte. Ein Mitarbeiter machte mich darauf Aufmerksam, doch besser auf die Behindertentoilette auszuweichen, wo es auch "Wickelmöglichkeiten" gab.  Die Situation war ihm scheinbar unangenehm. Trotzdem blieb ich in der ruhigen Ecke sitzen und stillte weiter. Wie wir hinterher sahen, gab es zwar eine Wickelmöglichkeit aber weder einen Stuhl, noch einen Hocker oder sonstiges. Mich auf den Klodeckel zu setzen und mein Kind zu füttern kam nicht in Frage. Fail! Damals waren mein Mann und ich ziemlich perplex.  Heute würde ich das nicht mehr stillschweigend übergehen. Dabei habe ich es sehr geschickt angestellt und man sah nicht einen cm meiner Brust.

Kleiner Tipp: ich trage immer ein dünnes Trägertop unter meinen Shirts/Pulis und kann so ohne Probleme erst das "richtige" Shirt hochziehen und das Trägertop runterziehen, um die Brust freizumachen . Auf diese Weise fühle ich mich nicht an Bauch und Brust entblößt und kann disrekt stillen. Natürlich muss man dafür der "Typ" sein. Ich habe Mamas kennen gelernt, denen das sehr unangenehm war "es" in der Öffentlichkeit zu tun. 
Was mir wichtig ist: Keinesfalls möchte ich in diesem Beitrag gegen "Flaschenmamis" wettern. Jeder hat seine Gründe nicht zu stillen, was ich absolut respektiere!!!

Ihr merkt, auf dieses Thema reagiere ich emotionaler, als wenn ich euch eine Gesichtscreme oder einen Lippenstift vorstelle ;-)


Kommen wir doch zu meiner Review. Vor einiger Zeit entdeckte ich im Online-Shop von Najoba Stilleinlagen von Natracare. Klasse, dachte ich mir und bestelle sie.
Natracare war mir bis dato völlig unbekannt. Gründerin Susie Henson entwickelte sichere und natürliche Frauenhygieneprodukte, nachdem sie eine Dokumentation über Dioxinbelastung in Zellstoffen sah. Das Sortiment umfasst Binden, Tampons, Slipeinlagen und diese Stilleinlagen.


Mit meinen bisherigen Stilleinlagen (rechts im Bild) bin ich total zufrieden aber sie haben einen nicht unerheblichen Nachteil: Leider ist nämlich jede einzelne Einlage in Plastik eingeschweißt. Zwar sind sie dadurch natürlich sehr hygienisch, produzieren letztendlich nur  zusätzlichen Müll. Die Stilleinlagen von Natracare hingegen stecken ohne überflüssige Extra-Verpackung in einem recylclebaren Pappkarton und sind erfreulicherweise vollständig biologisch abbaubar und, jetzt kommt die Besonderheit, sogar kompostierfähig! Letzteres hat mich dazu bewogen sie einfach mal auszuprobieren.

Die Produktbeschreibung liest sich folgendermaßen
Für mehr Schutz während der Stillzeit! Die Stilleinlagen von Natracare sind besonders weich und sorgen durch die spezielle Form für mehr Trockenheit zwischen den Stillzeiten. Wunde Stellen an den Brustspitzen gehören damit der Vergangenheit an. Auch der Geschmack der Milch wird duch diese Stilleinlagen nicht beeinträchtigt. Zudem sind sie frei von Chlorbleichung und optischen Aufhellern, biologisch abbaubar und kompostierfähig. Die Natracare Stilleinlagen werden ausdrücklich von Hebammen empfohlen und sind durch das TIPS-Empfehlungsprogramm ausgezeichnet. Tun Sie Gutes - für sich, Ihr Baby und die Umwelt!


Nun kann ich ehrlicherweise über die Trockenheit    bzw. das "Fassungsvermögen" nicht viel sagen. Die Zeiten wo mein Zwerg halbstündlich getrunken hat und die andere Brust zeitgleich förmlich "auslief" sind vorbei. In den ersten Monaten nach der Geburt waren meine bisherigen Stilleinlagen irgendwann vollgesogen mit überschüssiger Milch. Da ist ein guter Kern, ähnlich wie bei Binden, schon sehr wichtig. Was ich euch aber sagen kann ist, dass sie sich sehr weich auf der Haut anfühlen und sie mich keineswegs stören. Ideal für die empfindlichen Brustwarzen, die besonders zu Beginn der Stillzeit eine gewisse Zeit brauchen, um sich an den Saugvorgang des Babys zu gewöhnen.


Obwohl  sie natürlich noch nachhaltiger sind, empfand ich Stilleinlagen aus Wolle zu kratzig, den Waschvorgang nervig und was mich auch nicht störte, sie zeichneten sich unschön durchs Shirt ab.  Das passiert bei Natracare nicht. Allerdings können sie sie durch den fehlenden Klebestreifen leicht aus dem BH rutschen. Kind, festhalten, stillen und zusätzlich nach der Einlage suchen ist dann nicht so entspannend ;-) Sie sind auch kleiner als meine bisherigen Einlagen und könnten meiner Meinung nach gerne ein bisschen größer sein. Insbesondere Frauen die von Natur aus mehr Oberweite haben und für die Zeit nach dem Milcheinschuss (ja, die Natur hat sich da echt was überlegt :-D ), wäre mehr Sicherheit durch eine große Fläche wünschenswert. 

26 Stück kosten 2,99 € und reichen, wenn man täglich nur zwei braucht, für 14 Tage. Das ist eine grobe Rechnung, verlorene und vollgesogene Stilleinlagen mal ausgenommen. 

Fazit
Obwohl die Stilleinlagen zwei kleine Schwächen haben, überwiegt für mich der Vorteil, dass sie kompostierfähig sind, ich durch die fehlende Umverpackung weniger Müll produziere und sie in meiner momentanen Stillbeziehung für mich gut funktionieren. 

Auch von Nicht-Mamis würde ich sehr gerne wissen, wie steht ihr zu öffentlichen Stillen? Und wenn unter euch Mamas sind, welche Stilleinlagen benutzt ihr oder habt ihr benutzt?

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8 Kommentare

  1. Die Füchse sind ja niedlich!
    Ich freue mich ehrlich gesagt immer, wenn ich stillende Mütter in der Öffentlichkeit sehe, weil sie sich nicht scheuen, etwas völlig Natürliches zu tun. Meine Schwägerin in spe hat z.B. ein Stilltuch, damit fällt das auch gar nicht groß auf. Auch wenn der Vergleich etwas komisch ist; mein Freund ist Diabetiker und muss Insulin spritzen. Er macht das inzwischen so diskret, dass es überhaupt nicht auffällt; aber auch da würde ich mir wünschen, dass es das manchmal täte oder andere Menschen das sehen würden. Auch wenn es sich hier um eine Erkrankung handelt, aber in beiden Fallen gilt; weil man es zu wenig in der Öffentlichkeit sieht, haben viele Leute eine gewisse Scheu oder Angst davor. Er hat natürlich die "Ausrede", dass das für ihn lebenswichtig ist^^, aber wenn sich Mütter im auf irgendwelche Toiletten verziehen müssen, ist das ja ziemlich grotesk ist!
    Ich selbst würde mein Kindergarten- oder Grundschulkind nicht mehr stillen und finde das auch etwas befremdlich, aber ein Stillen über den 6.Monat hinaus finde ich total gut. Zwar wird das Urvertrauen auch schon vorher "gepflanzt", aber gerade wenn sich die Frontallappen ausbilden und sich wechselseitige Beziehung entwickelt, halte ich diese Art der Nähe für das Bonding für sehr wichtig.

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    1. Ja, ich finde sie auch total süß :-) Füchse begegnen mir im Moment überall!
      Stilltücher finde ich super und ich habe sogar mal mit dem Gedanken gespielt mir auch eins zu kaufen. Aber es ging auch so ganz gut. Deinen Vergleich finde ich nicht komisch, im Gegenteil! Eine ehemalige Arbeitskollegin hat sich nach jedem Mittagessen in unserem Beisein so diskret ihre Insulinspritze gesetzt, dass ich das sehr oft nicht gemerkt habe. Für uns war es völlig normal. Ich denke auch sehr viele Leute haben eine gewisse Scheu vor nicht alltäglichen Situationen. Der Umgang mit behinderten Menschen z.B. stellt einige Erwachsene auch vor eine Herausforderung. Kinder hingegen sind meist unvoreingenommener und trauen sich Dinge direkt anzusprechen, während die Erwachsenen rumeiern und nach abstrusen Antworten suchen :-)
      So gern ich es habe und so komfortabel es ist, übers Kindergartenalter hinaus zu stillen wäre mir auch too much. Interessanterweise liegt das Abstillalter nach einigen Berechnungen beim Menschen zwischen 2,5 und 7 Jahren. (Quelle http://www.afs-stillen.de/rund-ums-stillen/lexikon/128-a-f/204-der-mensch-als-saeugetier-und-das-biologisch-sinnvolle-abstillalter.html) Das ist natürlich auch viel Zahlenspielerei, wobei ich 2,5 bis 3 Jahre für realistisch halte.

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  2. Beim Lesen des Postes kamen bei mir einige Erinnerungen hoch ;) Die Stillzeit liegt zwar schon eine ganze Weile zurück, aber ich kann deine Gedanken noch immer sehr gut nachvollziehen! Ich habe auch immer wenn es nötig war in der Öffentlichkeit gestillt und mir ist Gott sei Dank kein einziges negatives Erlebnis im Gedächtnis geblieben. :)
    Am Anfang habe ich konventionelle Stilleinlagen benützt und bin dann doch auf die Waschbaren aus Baumwolle umgestiegen. Ich fand sie eigentlich sehr angenehm, war aber wahrscheinlich schon "abgehärtet" bzw einfach nicht mehr so empfindlich. Das Waschen ist natürlich etwas aufwändiger, hat mich aber nicht wirklich gestört. Die Stilleinlagen von Natracare hören sich nach einer tollen Alternative gerade für die Anfangszeit an :) Hach ja wie die Zeit vergeht...
    Ganz liebe Grüße

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    1. Das ist doch schön und so soll es auch sein :-) Die Zeit vergeht viel zu schnell ... Ich werde immer ganz sentimental, wenn ich die Babys meiner Freundinnen sehe und meine Zwerge daneben stehen ;-)
      Liebe Grüße :-)

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  3. Ich freue mich auch immer, wenn ich stillende Mütter in der Öffentlichkeit sehe. Ich versuche aber nicht zu sehr hinzugucken, obwohl ich es sehr schön und interessant finde, weil ich es für etwas sehr intimes halte. Deswegen kann ich mir vorstellen, dass ich das nicht gerne in der Öffentlichkeit machen würde. Aber das wird sich zeigen. Was das Alter angeht, sollte man auf sein Bauchgefühl hören und es so lange machen, wie Mutter und Kind sich damit wohlfühlen. :)

    Liebe Grüße,
    Jenni

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    1. Liebe Jennie,
      wer weiß, vielleicht würdest du dich dich in der Öffentlichkeit trauen ;-) Am Anfang fand ich das auch total komisch und ich dachte die Leute schauen ständig hin. Aber der Hunger eines Babys ist unberechenbar und so gab es Situationen, wo es nicht anders ging und einfach gestillt habe. Schön zu lesen, dass du es generell begrüßt :-)
      Liebste Grüße
      Nicole

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  4. Kannst du mir vielleicht verraten, welche Pads du vorher hattest? Die gezeigten erscheinen mir, wie du ja auch vermutest, für die Anfangszeit doch etwas klein und sind dann wohl erst was für später. Da du mit deinen voherigen ja von der Funktionsweise angetan warst, wäre ich über den Tipp unheimlich dankbar! Viele Grüße

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    1. Liebe Jane,
      na klar. Die Stilleinlagen mit den Klebestreifen sind von Lansinoh. Sie sind in den großen Drogeriemärkten erhältlich oder übers Internet bestellbar. Ich habe schon einige ausprobiert und fand die von Lansinoh richtig gut. Preislich müssten sie ungefähr im gleichen Rahmen liegen wie die von Natracare.
      Liebe Grüße
      Nicole

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